Archive for Oktober, 2011

7.000.000.000

Heute ist es also soweit!
Laut UN wird heute der 7.000.000.000 Mensch geboren.

Und obwohl wir uns immer wieder direkt am Abgrund entlang bewegen haben wir es doch geschafft, uns zusammen zu reißen und uns selbst nicht das Licht auszuknipsen.

William Shakespeare schrieb in Hamlet:

What a piece of work is a man!
How noble in Reason!
How infinite in faculties!
In form and moving how express and admirable!
In action how like an Angel!
In apprehension how like a god!
The beauty of the world!
The paragon of animals!
And yet to me, what is this quintessence of dust?
Man delights not me; no, nor Woman neither;
though by your smiling you see me
to say so

The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark (Akt II, Szene 2)

Und was haben wir nicht alles erreicht!?
Wir haben Imperien geschaffen wie das Römische oder das byzantische Reich.
Wir haben die Pyramiden erschaffen und die chinesische Mauer gebaut.
Wir haben Hochkulturen, wie die Maya oder die Atzteken, hervorgebracht.
Wir haben Krankheiten geheilt.
Wir haben Tiere geklont.
Wir haben Menschen auf den Mond geschickt.
Wir haben weltumspannende Netzwerke geschaffen.
Wir haben Poesie hervorgebracht.
Wir haben Orte entdeckt, fĂŒr die es keine Beschreibung gibt.
Wir haben uns selbst immer wieder neu erfunden.

Aber wir haben auch Kriege entdeckt.
Wir haben im Namen der Liebe und des Glaubens getötet.
Wir haben uns selbst in Klassen degradiert.
Wir haben anderes Leben ausgerottet.
Wir haben die Rohstoffe dieser Welt schonungslos verbraucht.
Auch das haben wir getan.

Und wie sagte Douglas Adams mal so schön:

Noch sind wir zwar keine gefÀhrdete Art,
aber es ist nicht so, dass wir nicht oft
genug versucht hÀtten, eine zu werden.

Aber wenn ich mir anschaue, was William Shakespeare ĂŒber den Menschen sagte, so denke ich, werden wir es schaffen. Wir werden ĂŒber uns selbst hinauswachsen. Vielleicht werden wir irgendwann alle Krankheiten geheilt haben, werden alles erforscht haben, was es zu erforschen gibt. Vielleicht werden wir ins All vorstoßen und fremde Planeten besiedeln und die Ozeane weiter erkunden.

Und vielleicht werden wir uns irgendwann selbst verstehen. Jeder fĂŒr sich. Und alle zusammen.

Wenn man bedenkt, was alles hÀtte schief gehen können in den letzten paar Millionen Jahren muss man schlicht sagen:
“Well done – but donÂŽt fuck it up.”

Und deshalb – und nicht nur heute – bin ich ein Fan der Menschheit.
Ganz fĂŒr mich. Und vielleicht auch ein bisschen fĂŒr alle zusammen.

PS: Wer es gerne etwas ausfĂŒhrlicher haben will: Zeittafel der Menschheit

The Perks…

Als Stephen Chbosky 1999 das Buch “The Perks of being a Wallflower” rausbrachte und ich es ein Jahr spĂ€ter in der deutschen Fassung “Vielleicht lieber morgen” las, war ich begeistert. Begeistert wie selten von einem Buch. Diese Begeisterung wurde sogar noch gesteigert, als ich das Buch dann im Original las.

Und gerade eben, vor ein paar Minuten, bin ich völlig zufĂ€llig ĂŒber einen Eintrag gestolpert, der mich ein wenig glĂŒcklicher auf das Jahr 2012 blicken lĂ€sst…

Stephen Chbosky: Autor, Drehbuchautor und Regiesseur des gerade in Produktion befindlichen Films “The Perks of Being a Wallflower“!

Ich bin entzĂŒckt!

Von schönen GefĂŒhlen

Viel zu lange ist es her, dass ich dieses GefĂŒhl hatte.
Viel zu lange ist es her, dass ich es erleben durfte.
Viel zu lange ist es her, dass ich mich selbst darum gekĂŒmmert habe.

Aber gerade hatte ich es… das GefĂŒhl, das viel zu lange her ist!

ACH WAS SOLLÂŽS.

Herbei gefĂŒhrt durch eine wunderbare (klitzekleine) Bestellung bei meinem Lieblings-Online-Shop in UK. Also darf ich mich demnĂ€chst wieder auf schöne neue Filme und Serien freuen. Nicht, dass ich nicht noch genug Serien zu Hause hĂ€tte, die ich schauen muss. Aber kann man genug Serien zu Hause habe? Ich sage Nein…

Ich freue mich also, wenn es demnĂ€chst heißt: Bitte holen Sie ihr PĂ€ckchen in der Packstation ab…

Aber psst… bitte nix dem Herrn Amazon sagen!

(Pharma)BĂ€umchen wechsel dich

Öfter mal was Neues!

Seit nun eineinhalb Wochen arbeite ich nicht mehr in Mainz, sondern eine Stadt weiter. Aber irgendwie mach ich immer noch dasselbe wie vorher: dumm rumsitzen, Leute ankeifen und durch den Tag schmuggeln… Und wieder bei nem Pharma-Unternehmen. Diesmal aber breiter aufgestellt und irgendwie globaler. Zumindest die Zusammenarbeit. Meine Abteilungsleiterin sitzt bei New York und ihre NasenflĂŒgel sehen in der Webkonferenz immer recht groß aus. Was durchaus am Winkel der Kamera liegen könnte. Hoffe ich.

Und als ich dann heute ne Besprechung gebucht habe (die haben eine eigene schicke Webanwendung dafĂŒr), kam ich nicht umhin:

boehringer

justcarmen ist bei Boehringer angekommen!

Offener Brief an #amazon

Hallo amazon.de,

ich weiß, ich hatte dir mal ewige Treue geschworen und gesagt, ich wĂŒrde nie woanders DVDs bestellen, wenn ich sie auch bei dir bekomme.

Aber da war dieser 40 Euro Gutschein vom Media Markt. Und eigentlich wollte ich auch nur ein neues Telefon kaufen. Dann bin ich aber an diesem Stand mit den Angeboten vorbeigekommen. Und da gab es dann Californication und Dexter fĂŒr unschlagbare Preise. Außerdem sind die ja alle erst ab 18. Naja, und du weißt ja, wie schwer das ist mit dir und den Lieferungen ab 18.

Also ich hab da gekauft. Aber nur dieses eine Mal. Ich versprechÂŽs dir.
Und dafĂŒr schauch ich jetzt mal bei dir nach nem neuen Telefon, ja?!

Bitte sei nicht böse. Du bist immer noch meine Lieblings-DVD-Quelle…
Und ich hab dich lieb!

GrĂŒĂŸe
dein Marco

Achtung Politik: Die Piratenpartei

Die Piratenpartei hat in Berlin etwas geschafft, was wohl fĂŒr den Rest von Deutschland erst mal eine Ausnahme bleibt. Dennoch ist es ein Achtungserfolg. Knapp 9 Prozent im ersten Anlauf ist ein Ergebnis, von dem andere Parteien dieser Tage trĂ€umen.

Der Grund fĂŒr die Wahl der Piraten ist allerdings nicht ein ĂŒberzeugendes Konzept oder eine Agenda mit LösungsansĂ€tzen zu den grĂ¶ĂŸten Problemen, weder in Berlin noch der Bundesrepublik. In einer Stadt, in der es vor Internet-Start-Ups und Kreativen nur so wimmelt, kommt man mit dem Schutz des Webs auf der einen Seite und alternativen AnsĂ€tzen auf der Anderen super an.

Was bleibt dem WĂ€hler auch ĂŒbrig? In der Stadt sitzen Bundesregierung und Stadtregierung zusammen, alle politischen Lager sind vertreten. Und alle haben enttĂ€uscht. CDU und FDP auf Bundesebene, SPD und Linkspartei im Stadtparlament und auch die GrĂŒnen hatten außer Renate KĂŒnast nicht wirklich was zu bieten. Also kommen als neue Protestpartei einfach die Piraten auf den Schirm.

Im Berliner Senat sitzen sie jetzt mit 15 Mann. Und nun? Andreas Baum, frischgebackener Fraktionsvorsitzender in Berlin, gibt unumwunden zu, dass er sich erst mal reinarbeiten muss, dass man mit den Aufgaben wachsen wird. Klingt naiv. Und ist es wohl auch.

Die Piratenpartei hat sich Transparenz und Nachvollziehbarkeit verschrieben. Eine hohe Beteiligung der Basis ist einer der bisher wenigen festgelegten Standpunkte. Und dieser wird auch immer wieder propagiert. Diese Entscheidungsfindung wird es unumgĂ€nglich machen, auf jedem Parteitag die Mitglieder ĂŒber Dieses und Jenes abstimmen zu lassen. Aber genau das ist eine der grĂ¶ĂŸten Gefahren. Denn jeder weiß, wie schnell sich die eigene Meinung Ă€ndern kann. Heute ist der Euro gut, morgen ist er doof. Griechenland mögen wir zwar alle als Urlaubsland, aber warum sollten unsere Schulkinder in Bremen auf neue DeutschbĂŒcher verzichten, weil der Grieche noch mal 100 Milliarden braucht? Genauso platt (und haltlos) wie diese Behauptung ist, genauso beliebig, willkĂŒrlich und wandelbar ist die Meinungsfindung jeder einzelnen Person.

Die Piratenpartei lĂ€sst also abstimmen. Jedes Jahr aufs Neue. Vielleicht auch manchmal zwischendurch, wenn es wichtig wird. Denn nur so kann die Meinung der Basis eingefangen werden. Durch aber genau diesen Prozess lĂ€uft die Piratenpartei Gefahr, NIE in eine politische Verantwortung zu kommen. Denn immer die Meinung der Basis zu vertreten, heißt auch, kein verlĂ€sslicher Partner in einer Koalition zu sein. Man wird zum FĂ€hnchen im Wind. Eine Erfahrung, die die FDP gerade macht, wenn man sich die 180-Grad-Wende zum Thema Mindestlohn ansieht.

Als Partner der Piraten kann man sich also nur bedingt auf sie verlassen. Damit wird die politische Arbeit zum russischen Roulette. NatĂŒrlich kann man alles in den Koalitionsvertrag rein schreiben und sich dann auf diesen berufen, wenn die Basis etwas anderes will. Aber so etwas steht dem eigentlichen Konzept kontrĂ€r gegenĂŒber.

Die Piraten werden eines lernen mĂŒssen: um in der deutschen politischen Landschaft ĂŒberleben zu können (und auch ernst genommen zu werden), MÜSSEN Entscheidungen durchgezogen werden. Manchmal auch gegen den Widerstand der Basis.

Sobald die Piratenpartei dies erlebt hat, kann sie ihren Glanz als alternative Partei verlieren. Und damit wird der Höhenflug enden.

Willkommen in der deutschen Politik.

Als persönliche Anmerkung möchte ich noch sagen, dass ich viele Ideen der Piratenpartei gut heiße. Aber Volksentscheide auf Bundesebene einfĂŒhren zu wollen heißt auch, den politischen Stillstand in Deutschland zu fördern. Aber das ist ein anderes Thema, welches beim nĂ€chsten Mal erörtert wird.